Warum Holzblätter für Klarinette und Saxophon im Spannbereich des Blattrückens unbearbeitet bleiben

Diese Frage konnte bisher weder ein Musiker noch ein Blätterhersteller plausibel beantworten! 

Kurzer Rückblick in die Historie:

Seit es Klarinetten gibt – entwickelt im 17./18. Jahrhundert – sind die zum Musizieren erforderlichen Rohrblätter in ihrer Grundform weitgehend unverändert geblieben. Diese Rohrblätter, auch die an historischen Instrumenten, weisen allesamt eine ebene  Auflagefläche auf, einen Vibrationsbereich, Ausstich oder Schnitt genannt und einen Endabschnitt, Blattrücken oder Spannbereich genannt.

Während sämtliche Entwicklungsschritte in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sich auf den Ausstich oder Schnitt konzentrierten, weil dieser Bereich entscheidend die Schwingungseigenschaften, also den schönen Klang des Blattes bestimmt, blieb der Spannbereich völlig unbeachtet.

Zurück in den heutigen Musikeralltag:

Alle im Handel angebotenen Rohrblätter, sind wie vor „100 Jahren“ im Spannbereich naturbelassen, also unbearbeitet.

Jeder Musiker, ob Klarinettist oder Saxophonist, weiß, dass ein Blatt nur gleichmäßig schwingen kann, wenn es mit gleichmäßigem Druck auf das Mundstück geklemmt wird.

Diese Grundvoraussetzung kann ein naturbelassener, „krummer“ Blattrücken nicht gewährleisten!

  1. hierzu die Zeichnungen Fig. 1 + 2

 krummer“ Blattrücken

Diese „krummen Rücken“  sind von Blatt zu Blatt sehr unterschiedlich, so dass die meisten Blattschrauben die Ungenauigkeiten beim Spannvorgang nicht bzw. nur ungenügend ausgleichen können. Den Beweis liefern die Musiker selbst, denn nach deren Aussagen sind von durchschnittlich 10 gekauften Blättern je nach kritischem Klangtest doch nur 2  bis max. 3 Blätter verwendbar.

Nach Aussagen von Musikern darf der auf den Tisch des Mundstücks aufgespannte Teil des Blattes  keinesfalls, auch nicht partiell, mitschwingen, da sonst die Charakteristik des Schnittes verfälscht würde.

Reedmaster hat dieses „Dilemma“ aufgegriffen und die Rohrblätter durch technische Innovation so veredelt, dass die beschriebenen Schwachpunkte der Blätter entfallen. 

Zur Erläuterung der vorgenommenen Veredelung ist festzuhalten, dass das Blatt bekanntlich in einen Vibrationsbereich und einen Spannbereich unterteilt ist.

Die Veredelung tangiert nur den Spannbereich, denn eine Blattschraube kann ein Blatt nur dann mit gleichmäßigem Flächendruck auf ein Mundstück klemmen, wenn der Spannbereich des Blattes diesen gleichmäßigen Flächendruck auf das Mundstück weitergeben kann.  

Es gibt Blattschrauben der unterschiedlichsten Lösungsansätze, alle mit dem Ziel das Symptom „schräger Blattrücken“  zu kaschieren. Unsere Entwicklungsarbeit beseitigt die Ursache des Problems auf erstaunlich einfache Weise durch die  Nacharbeit des Blattrückens. Hiermit ist die Grundvoraussetzung geschaffen, dass alle Blatt-schrauben, unsere Präzisionsblätter mit gleichmäßigem Druck kompromisslos auf das Mundstück klemmen können. 

Die von den Musikern über Jahrzehnte herausgearbeitete Grundform hat sich bewährt und wird auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten so bleiben. 

Ein weiterer Grund, den Blattrücken von der gewachsenen Rohrrinde zu befreien (auch nur teilweise) sind die Quelleigenschaften des Rohrholzes. Bei jeder Benutzung des Rohrblattes nimmt dieses Feuchtigkeit auf. Die Kapillarwirkung transportiert diese Feuchtigkeit entlang des Faserverlaufs auch in den hinteren Spannbereich des Blattes. Bei allen Blättern – ohne bearbeiteten Blattrücken – bewirkt die Quellung

eine sichtbare und auch messbare Wölbung der Auflagefläche, hervorgerufen durch die harte Rohrrinde, die der Quellung nicht nachgibt und in diesem Bereich wie eine Klammer wirkt, s. hierzu die Zeichnungen Fig. 3 + 4

Klammerwirkung der Rohrrinde

 

Die Auflösung der Klammerwirkung der Rohrrinde verleiht dem Blatt eine neue, sehr positive Flexibilität. Das Blatt schmiegt sich bei Feuchtigskeitsaufnahme während des Spiels satt und vollflächig auf den ebenen Tisch des Mundstückes. Aufgrund der gleichmäßig wirkenden Klemmkraft der Blattschraube ist sichergestellt, dass das Blatt definitiv nur im eigens dafür ausgebildeten Vibrationsbereich über der Bahn des Mundstücks schwingen kann.

Ein wichtiger Aspekt wird erst durch die präzise Bearbeitung des Blattrückens eröffnet: Exakte Bestimmung der Blattstärken in ¼ -Schritten!

Übrigens, jede Musikerin und jeder Musiker profitiert vom Vorteil eines rücken-bearbeiteten Blattes, egal, welche Blattschraube benutzt wird!

Es gibt innerhalb der bearbeiteten Blätterserien Unterschiede in der Bespielbarkeit, welche dann zur Bevorzugung oder zum Ausschluss führen.

Jedoch ist dann dieses letzte Kriterium im Naturprodukt „Holz“ zu suchen und durch die Bearbeitung des Blattrückens nicht beeinflussbar.

Es scheint sich der Satz – in Anlehnung an Victor Hugo – zu bewahrheiten: Eine Idee, deren Zeit gekommen ist, kann man nicht mehr aufhalten